Von Ur bis Nazareth

Das Heft „Von Ur bis Nazareth“ lehrt den aufgeschlossenen Leser über Biblische Archäologie aus der Zeit des Alten Testaments. Geschrieben ist es aus der Sicht des Priesters Zadok, der zur Zeit Nehemias nach dem babylonischen Exil (ca. 445 v. Chr.) lebte und von der Geschichte „seines Volkes“ erzählt, gelegentlich sowohl mit Verweis auf „die Herausgeber“ Uwe Zerbst und Peter van der Veen von der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ als auch mit dem Hinweis auf Gott, der damals wie heute in dieser Geschichte handelt. Diese ungewöhnliche Erzählperspektive bringt selbst dem Laien die eher trockene Materie über ausgegrabene Scherben auf solch unterhaltsame Weise nahe, dass er das Heft freiwillig und aufmerksam bis zum Ende durchliest.

Die ersten Seiten sind geprägt durch die Notwendigkeit, über die Wissenschaft von Datierungen und Chronologien aufzuklären. Gräbt man eine Scherbe aus, muss man sie geschichtlich einordnen. Diese Einordnung geschieht schichtenweise anhand von Vergleichen mit bereits datierten Funden, ihrem Bezug zu Ägypten oder auch durch astronomische Überlegungen. Hier wird es etwas kompliziert und der Leser vertraut auf die faire Darstellung der Herausgeber.

Anhand von Jericho zeigen sie, wie wichtig solche Vorüberlegungen sind und zu welch unterschiedlichen Interpretationen man kommt, wenn man Schichten unterschiedlich einordnet. Welche Schicht von Jericho haben die Israeliten erobert? Haben Sie einen Zaun umgestoßen oder Mauern überwunden? Das Heft liefert keinen Beweis für die Richtigkeit der biblischen Überlieferung, weist aber darauf hin, dass es ebenso keinen Gegenbeweis gibt.

Richtig interessant und gewinnbringend wird es, wenn durch die Erzählung hindurch immer wieder auf die im Innenteil abgebildeten Exponate aus einer archäologischen Ausstellung verwiesen wird. Haben die Israeliten damals Götzendienst betrieben, so kann man hier erkennen, welch elende Figuren sie angebetet haben. Wurden damals Kriege geführt, dann mit Dolchen und Speeren wie ausgegraben. Auch eine Schleuder wie David sie gegen Goliath gebrauchte ist zu sehen. Vasen und Geschirr aus Ton liefern uns Einblicke in die damalige häusliche Welt. Fremde Inschriften werden uns netterweise übersetzt – außerbiblische Quellen über Könige, die die biblischen bestätigen.

Alles in allem eine klare Empfehlung. Nur der Titel sollte keine falschen Erwartungen wecken – „Von Ur bis Nazareth“ beginnt zwar mit der Geschichte Abrahams in Ur auf Seite 19, endet auf den letzten Seiten aber mit der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier. Das allein macht das Werk aber nicht weniger lesenswert.