Wenn Gemeinden ihre Leiter „verheizen“

kamin

Warum quittieren Verantwortliche in evangelikalen Gemeinden ihren Dienst und warum wird es vielerorts schwerer, neue Leiter zu finden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Vorsitzende der Konferenz für Gemeindegründung, Wilfried Plock (Hünfeld bei Fulda), in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift. Nach seiner Beobachtung „verheizen“ manche Gemeinden ihre Leiter wie andere Holz.

Grund sei häufig, dass „unreife Gläubige“ den „Ältesten“ (Gemeindeleiter) das Leben schwer machten. „Nicht wenige Gemeinden gleichen einem großen Kindergarten“, so Plock. Ihre Mitglieder sähen nur ihre eigenen Anliegen und setzten alles daran, sie durchzusetzen. So hätten manche Christen für sich das Thema „Israel“ entdeckt und ließen keine Gelegenheit aus, „bei den Leitern Israel-Predigten, Israel-Tage und Israel-Spenden einzufordern“. Andere forderten, dass auch Frauen die Versammlungen leiten sollten oder, dass Geschiedene wieder in der Gemeinde getraut werden dürfen.

Zwar dürften Christen in all diesen Fragen unterschiedliche Erkenntnisse haben und diese auch artikulieren. Schwierig werde es aber immer dann, „wenn Gläubige ihre Ansicht – wie kleine Kinder – mit allen Mitteln durchsetzen wollen“. Manche Erwachsenen bombardierten die Gemeindeleiter „mit endlosen Gesprächen, zig Seiten langen Ausarbeitungen von ihrem ‚Guru’ und mit anderen unliebsamen Überraschungen“. Er habe selbst schon einmal miterlebt, wie ein „Hirtenteam“ auf diese Weise lahmgelegt worden sei, so Plock.

„Und wehe, die Ältesten gehen nicht auf die Vorschläge oder Forderungen ein! Dann werden sie ganz schnell als ungeistlich gebrandmarkt und mit ätzender Kritik überzogen.“ Solche Vorgänge machten Leiter mürbe. Gegen das, was manche von ihnen ertragen müssten, „war die 40-jährige Wüstenwanderung Israels fast ein Erholungskur“.

Bei Streit: Unterlegene werfen meist das Handtuch

Nach Plocks Worten werden Leiter manchmal zwischen den Mühlsteinen zerrieben: „Ich denke an eine Gemeinde, in der sich eine Gruppe dem Mainstream-Evangelikalismus öffnen will, und das andere Lager warnt davor.“ Wenn die Entwicklung einmal so weit fortgeschritten sei, könne man eine Spaltung kaum noch verhindern: „Leiter der unterlegenen Gruppe werfen meistens das Handtuch.“ Einmütigkeit sei ein großes Geschenk, dass es wie einen Augapfel zu bewahren gelte.

Keine „Wutbürger“ produzieren

Plock warnt Gemeindeleitungen ferner davor, Entscheidungen über die Köpfe der Mitglieder hinweg zu treffen: „Sonst entstehen schneller als wir denken und völlig unnötigerweise ‚Wutbürger’ in den Gemeinden.“ Plock mahnt Älteste auch dazu, ihre Ehe und Familie nicht zu vernachlässigen: „In den letzten Jahren musste ich wiederholt mit Brüdern sehr ernst reden, die große Pläne für ihren Dienst im Reich Gottes schmiedeten, während es in ihrer Familie vorne und hinten nicht stimmte.“

Die Konferenz für Gemeindegründung hat nach eigenen Angaben Kontakt zu rund 400 Gemeinden, die sich als bibeltreu, nicht-charismatisch und nicht-ökumenisch verstehen. Sie haben mehr als 10.000 Mitglieder.

– Quelle: idea // Bild: ©pixabay (CC0 1.0)