Wer regiert die Welt?

mammon

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ – Matthäus 6,24b

In Bern ging vor kurzem die Ausstellung „Lust und Laster“ zu Ende. Sie dokumentierte die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der „Sieben Todsünden“. Dargestellt wurden Eitelkeit, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier, Völlerei und Wollust.

Am Bild „Mammon“ des Engländers George Frederic Watts blieben meine Augen länger hängen. Der Künstler malte auf einer Fläche von 183 x 106 cm „Mammon“ als monströsen Dämon im schweren goldenen Gewand. In seinem Schoss ein praller Geldbeutel, zu seinen Füssen zwei Opfer: eines zur Habsucht verführt, eines von der Habsucht zugrunde gerichtet.

Das Wort „Mammon“ leitet sich vom aramäischen „mamona“ (Vermögen, Besitz) ab. Geld und Besitz ist der Götze unserer Zeit. Wenn es ums Geld geht, gibt es nur ein Schlagwort: „Mehr!“ Ein altes flämisches Sprichwort sagt: Die Welt ist wie ein Heuhaufen – jeder pflückt davon, so viel er kann. Nichts genügt demjenigen, dem das, was er schon hat, zu wenig ist.

In Vermögen und Besitz steckt die verhängnisvolle Tendenz, den Menschen zu versklaven und von Gott zu entfremden. Nicht erst der angehäufte, sondern jeder Besitz kann zum Götzen werden: Auto, Haus, Bankkonto, Briefmarkensammlung. Der schnöde Mammon lässt grüssen! „Wer Geld liebt, wird des Geldes nimmer satt“, heisst es bei Prediger Salomo (5,9).

Jesus spricht über Geld und Besitz mehr als über Himmel und Hölle. Paulus mahnt seinen jungen Freund Timotheus: „Geldgier ist eine Wurzel alles Übels“ (1. Timotheus 6,10). Geld- und Warenwerte versperren die Sicht auf die wahren Werte. Es ist schlicht unmöglich, gleichzeitig Gott und dem Mammon zu dienen. Eine tägliche Herausforderung, der wir uns zu stellen haben!

Samuel Moser in factum

 

„Goldman Sachs regiert die Welt“

Die Zuschauer dachten, es wäre ein Scherz gewesen. In einem Interview im britischen Fernsehen BBC sprach der Börsenhändler Alessio Rastani Klartext. Es interessiere ihn nicht, wie die Wirtschaftskrise überwunden werde. Ihn interessiere allein der Profit. „Nicht die Regierungen beherrschen die Welt. Goldman Sachs regiert die Welt“, so Rastani. Zudem warnt er die Menschen, sich auf den Crash vorzubereiten.

Es sei der Job eines jeden Börsenhändlers, Krisen zu nutzen und Profit daraus zu machen. Was der Normalbürger schon immer wusste, wurde nun im Interview ganz unverblümt bestätigt. Mehr noch, Rastani träume gar von einer Rezession. Schon bei der großen Depression in den 30er Jahren hatte man große Gewinne machen können. Jeder können diese Gewinne machen, nicht nur die Banker oder die Elite. An die Zuschauer gewandt stellt er klar, dass keine Regierung und kein Rettungspaket die Finanzkrise überwinden könne. Sie sei wie ein immer weiter wachsendes Krebsgeschwür, was die Fondsgesellschaften allerdings nicht weiter störe.

Er warnt die Zuschauer, ihr Vermögen zu sichern. In den nächsten 12 Monaten werden viele ihre Ersparnisse verlieren, so seine Vorhersage. Auf die Rettungspläne der Regierungen dürfe jedenfalls niemand vertrauen. Die Börse sei vor allem von Angst beherrscht, wozu seine Worte wohl ihr Übriges beigetragen haben. Man flüchte in „sichere“ Investments wie den US-Dollar oder Schatzanleihen. Ob er das ernst meint? Das Schuldenproblem in den USA ist nicht geringer als in Europa. Und angesichts der Lehman Pleite klingt auch die Aussage über Goldman Sachs sehr selbstbewusst und überheblich.

Die verblüfften und etwas hilflos wirkenden Moderatoren konnten sich für das Interview nur bedanken. Nun ist in England die Debatte über die Moral der Banker neu entfacht. Das Londoner Finanzviertel „LIEBT das wirtschaftliche Desaster einfach nur“, so die „Daily Mail“. „The Independent“ beschrieb Rastani als den „Händler, der den Deckmantel über das, was in dem Bankenviertel wirklich gedacht wird, gelüftet hat“.

BBC ging den oft geäußerten Vermutungen nach, es handle sich um einen Scherz einer Satire-Gruppe, konnte aber keine Hinweise darauf finden.