Wer rettet uns vor dem Schirm?

SchirmSo ein Schirm ist etwas Gutes. Er schützt uns vor Regen oder rettet uns vor dem freien Fall. Nun soll er den Euro retten, denn auch die Währung befindet sich in einem solchen. Und weil der Euro gut ist für Europa, ist er auch gut für uns, der Schirm. Und damit das auf Anhieb gleich alle verstehen, hat man den Schirm einstimmig „Euro-Rettungs-Schirm“ genannt. Gleich drei gute Dinge in einem Wort, daran wird schon nichts falsch sein.

Schaut man genauer hin, geht es ums Geld. Um viel Geld. Genauer gesagt um Schulden, aber nicht um unsere. Um Bürgschaften stattdessen. Falls andere nicht tilgen können, dann zahlen wir. Aber nur „falls“ – davon gehen wir ja nicht aus, sagen die Politiker. Wir spendieren also einen Schirm in der Hoffnung, es wird schon nicht regnen. Und wenn es dann regnet werden wir sehen, wie lange er hält. Verstehe ich das richtig? Oder gibt man gar keinen Schirm sondern nur die Hülle ohne Inhalt? Oder macht es am Ende vielleicht gar keinen Unterschied?

Groß soll der Schirm jedenfalls sein. Zu Anfang betrug der deutsche Anteil 119 Milliarden Euro, seit Ende September ist er auf 211 Milliarden angewachsen. Gauweiler wies darauf hin, es wäre inkl. Zinsen und Kosten sogar „ein Vielfaches mehr“. Insgesamt soll der Garantierahmen in ganz EU-Land jedenfalls 440 oder 780 Milliarden betragen, so genau weiß das keiner. Und nun äußern sich die Finanzexperten, man wolle irgendwie eine oder gar zwei Billionen erreichen. Dabei rechnen sie wahrscheinlich wieder ohne Zinsen und Kosten. Über die Hebelwirkung von Versicherungen, so die Theorie. Wie das funktionieren soll, wird gerade „offen“ diskutiert. Ob die Damen und Herren überhaupt noch wissen, was für ein Monstrum sie da in den Händen halten? Nehmen wir mal an, es regnet und ein Sturm kommt auf. Wer ist dann noch fähig, so einen Riesenschirm zu halten? Vertraglich angekettet reißt er uns die ganze Hütte weg.

Die Bibel kennt keine Rettungsschirme, aber sie warnt uns – dreimal – vor Bürgschaften. Und, sie nennt uns gleich den Grund dazu: „Sei nicht unter denen, die sich mit Handschlag verpflichten, die sich für Schulden verbürgen; denn wenn du nicht bezahlen kannst, warum soll man dir dein Bett wegnehmen?“ (Spr 22:26f., vgl. 11:15; 6:1-5) Was also ist eigentlich, wenn wir selbst nicht bezahlen können, was wir anderen versprochen haben? Der Grieche, der Portugiese und der Ire nehmen fleißig Kredite und der Deutsche kann es nicht bezahlen. Ich weiß, davon will hier keiner ausgehen. Aber nehmen wir mal an, es kommt so weit. Was dann?

Sie werden uns unser Bett wegnehmen, so ist es doch. Die Diskussion dreht sich nicht um eine abstrakte Größe sondern um unser Hab und Gut, und zwar um unser persönliches und um das unserer Kinder. Dazu brauchen wir keine Verträge studieren. Es reicht, wenn wir das Kind beim Namen nennen – es sind Bürgschaften, keine Schirme. Und dann reicht ein Blick in die Bibel.

Warum eigentlich schenken wir den armen Europäern nicht einfach das Geld anstatt dafür zu bürgen, das ist viel biblischer und zeugt von großer Tugend und Moral. Wieviel waren es noch? Hunderte von Milliarden? Ach, wir haben selber zwei Billionen Schulden und können das gar nicht? Wir brauchen selber einen Schirm und haben gar keinen? Und welchen geben wir dann ab?

– Bild: ©pixelio/Gabriele Planthaber