Witmer, Immanuel

Das vorliegende Buch enthält viel Wahres, aber es hält leider nicht das, was es verspricht. Titel ist «Immanuel», sowohl auf Deutsch als auch in der amerikanischen Originalversion. Der Untertitel ist noch eindeutiger irreführend: „Eine umfassende Darstellung der Person Jesu.“ Weder bleibt der Autor bei der Darstellung der Person, noch sind seine Ausführungen umfassend.

Vergleichen wir mit dem englischen Buch „The Word became Flesh“. Auf mehr als 600 Seiten konzentriert sich Erickson auf Christologie. Witmer hingegen verliert sich im letzten Drittel seiner nur knapp 240 Seiten in Eschatologie und sieht Christus mehr als thematisches Sprungbrett, seine Sicht eines zukünftigen göttlichen Fahrplans zu verbreiten. Thema verfehlt, irgendwie ärgerlich.

Aber das Buch beginnt nicht schlecht. Kapitel 1 betrachtet die Lehren über «Immanuel» von der ewigen Gottheit und Dreieinheit und seine Beteiligung am Schöpfungswerk. Vor der Menschwerdung zeigen die Theophanien im Alten Testament, dass Jesus bereits damals diente. Die jeweiligen Textstellen hierzu erläutert Kapitel 2. Zusammenfassend wird Walvoord zitiert: „Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass jede sichtbare Manifestation Gottes in körperlicher Form im Alten Testament mit dem Herrn Jesus Christus identifiziert werden kann.“ (S. 45)

Die Inkarnation wird im Alten Testament angekündigt, daneben weitere Prophetien. Seite 55 deutet bereits hin auf ein Tausendjähriges Reich inkl. Wiedereinsetzung des Levitentums. Hier ahnt der Leser zum ersten Mal, wie das Buch enden wird. Kapitel 12 befasst sich dann explizit mit diesem Zeitraum. Hinzu kommen Witmers Vorstellungen von der Entrückung (Kapitel 10), der Trübsalszeit, von (drei verschiedenen) Auferstehungen und davon, wer nun im Tausendjährigen Reich bereits vollkommen sein und wer denn noch sterben müssen wird. Mit «Immanuel» hat das nur noch am Rande zu tun, natürlich wird er wiederkommen und auch thronen.

Man muss schon wach bleiben, um hier die Rosinen aus dem Kuchen picken zu können. Wer das Buch kauft, um mehr über Christus selbst zu erfahren, der kann vielleicht die Hälfte lesen. Behandelt werden noch Namen und Titel, Wesen und irdisches Leben sowie Auferstehung und Zeit nach der Himmelfahrt. Zum Thema Eschatologie gibt es sicher bessere Bücher. Insgesamt sind es gleich zwei Themen, die nicht so ganz einfach sind. Daher mag wohl schon der Hinweis reichen, dass so ein schmales Werk nicht richtig weiterhilft.