Zum Gebrauch des Namens „Allah“ – eine Antwort

Beten auch die Christen zu Allah? Aus deutscher Sicht eine eher rhetorische Frage, aus arabischer Sicht wohl nicht. Denn „Allah“ bedeutet streng genommen einfach „Gott“. Sollte man nun den arabischen Christen vorschreiben, einen neuen Begriff zu suchen? Ein Autor namens Rafique schreibt darüber in „Mission im Islam“, Festschrift für Eberhard Troeger, auf den Seiten 191-195 und leitet ein: „Jeder Versuch, einen christusgläubigen Araber zu veranlassen, nicht das Wort „Allah“ zu benutzen, sondern einen anderen Begriff, ist ungerechtfertigt, verwirrend und verletzend.“ Rafique begründet im Wesentlichen in drei Schritten:

  1. Das Wort „Allah“ ist älter als der Islam und keine Erfindung von Mohammed.
  2. Auch der Ursprung von „Gott“ ist ungewiss, „Theos“ z.B. eine Ableitung von „Zeus“.
  3. Auch die Christen gebrauchen „Gott“, obwohl es die Sekten auch tun.

Hier der Versuch einer Antwort aus Sicht eines Christen, der in Deutschland lebt.

Worte sind Träger von Inhalten. Dabei kann der Ursprung dieser Worte wichtig sein, muss aber nicht. War früher das Wort „Neger“ noch wertfrei, ist es heute eine Beleidigung. Unsere Kinder lernen ein Wort nicht über die Geschichtskunde, sondern von ihren Eltern, Nachbarn und Lehrern der heutigen Zeit. Und da ist es, zumindest in Deutschland, ganz offensichtlich, dass der Name „Allah“ von der muslimischen Welt in unsere hineingetragen wurde. Wie gebrauche ich als Christ nun ein Wort, dass ich bisher nur im Koran gefunden habe?

Folglich liegt das Problem auch nicht im Gebrauch des Wortes „Allah“ innerhalb der arabischen Christenheit. Wenn alle wissen, was gemeint ist, hat die Sprache seinen Zweck erfüllt. Das Problem liegt in der Außenwirkung. Rafique erklärt: „Ein früherer iranischer muslimischer Gelehrter drückte nach seiner Bekehrung die Meinung aus, dass Muslime den gleichen Gott anbeten, nur in falscher Art und Weise und mit einer falschen Sicht auf ihn.“

Nicht nur die Muslime, möchte man meinen. Diese Aussage trifft wohl auf alle Religionen und Menschen zu, die zu irgendeinem „Gott“ beten, obwohl sie ihn nicht kennen. Aber was heißt das? Manche – Christen – gehen eben so weit, dass sie ungeachtet jeglicher dogmatischer Unterschiede gemeinsam mit diesen „Gottesanbetern“ zu eben diesem „Gott“ – hier: „Allah“ – beten. Das aber ist Synkretismus, und genau das ist das Problem.

Als Christen beten wir nicht zu irgendeinem „Gott“, sondern nehmen dazu persönliche Anreden wie „Herr“ oder „Vater“. Wie geschrieben, Worte sind Träger von Inhalten. Und wenn der Inhalt durch ein Wort nicht deutlich genug wird, muss ich andere Wörter heranziehen. Dann bete ich nicht mehr zu „Gott“, sondern zu dem „Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus“. Rafique bestätigt das am Ende selbst. Er wendet sich an die arabischen Christen:

„Liebe Christen in Ägypten, der Westen sagt, dass ihr den Namen Gottes beleidigt habt. Bitte, vergebt ihm. Durch das gemeinsame Anbeten mit euch war es, dass ich etwas über die wahre Anbetung des wahren Gottes, Allah, Abou Rabbana Yasoua Al Masih (Vater unseres Herrn Jesus Christus) gelernt habe. Liebe Brüder in anderen muslimischen Ländern, ihr seid nicht im Unrecht, wenn ihr Gott mit Allah anredet. Ihr habt mir etwas gezeigt, was ich nirgendwo sonst gesehen habe: Junge Leute, sogar Teenager, die bereit sind, aus ihren Häusern geworfen zu werden, bereit, auf ihre Ausbildung zu verzichten, geschlagen und eingesperrt zu werden, weil sie Allah, dem wahren und lebendigen Gott der Heiligen Schrift, dem Gott aller wahren Propheten und Apostel, vertrauten.“ (S. 195)

Das Leben dieser Christen ist in der Tat beeindruckend. Doch sie erleiden das alles nicht, weil sie „Gott“ und „Allah“ anbeten. Sie erleiden es, weil sie den „Gott der Heiligen Schrift“ und den „Vater unseres Herrn Jesus Christus“ anbeten. Das ist und bleibt, für die Mehrheit der weltweiten Bevölkerung, etwas grundlegend anderes.

 

– Bild: pixabay, gemeinfrei.