Der Brief an die Philipper lehrt Freude statt Depression

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„Paulus blieb zwei Jahre in der von ihm gemieteten Wohnung und durfte dort so viele Besucher empfangen, wie er wollte. Er verkündete ihnen die Botschaft vom Reich Gottes und lehrte sie alles über Jesus Christus, den Herrn. Er tat es frei und offen und wurde von niemand daran gehindert.“ (Apostelgeschichte 28:30f. – NGÜ)

Die Apostelgeschichte hat ein Happy End. Die jahrelange Zeit der Verfolgung und der schwere Weg von Jerusalem bis nach Rom führte Paulus schließlich in seine eigene Mietwohnung, in der er täglich frei missionieren und lehren konnte. Doch diese Zeit ist nun vorbei und Paulus sitzt wieder im Gefängnis. Seine Situation hat sich verschlechtert. Dramatisch, denn er sieht seiner Hinrichtung entgegen, die letztlich nur eine Frage der Zeit sein wird.

Was würden Sie nach einer solchen Lebensveränderung Ihren Freunden schreiben?

Paulus klagt nicht. Nicht in Selbstmitleid, nicht in Bitterkeit gegenüber andere, schon gar nicht in fehlendem Gottvertrauen, etwa fragend: „Wie kann Gott das zulassen?“ Paulus beschwert sich auch nicht über diejenigen (Christen!), die nicht einmütig und mit reiner Motivation, sondern selbstsüchtig und um ihrer eigenen Ehre willen predigen. (1:17) Er freut sich einfach darüber, dass sich die gute Botschaft weiter verbreitet. Nicht nur durch andere, sondern auch durch ihn selbst – nicht mehr frei in der Mietwohnung, aber gefangen im Prätorium. (1:13)

Sogar seiner möglichen Hinrichtung kann er trotzen. (1:21-24) Es wäre weit besser für ihn, schon bei Christus zu sein. Den Grund zur Lebensbejahung findet Paulus nicht in sich selbst, sondern im Dienst für die Menschen. Damit folgt er dem großen Vorbild Jesus Christus. (2:6-8) Paulus lebt eben nicht in Selbstsucht (s.o.), sondern in Selbstlosigkeit und Nächstenliebe. Darin ist auch er dem Leser Vorbild, genauso wie Timotheus (2:20) und Epaphroditus (2:30).

In dieser Haltung schreibt Paulus den Philipperbrief. Er klagt nicht über seine Situation, sondern schaut auf die Gemeinde und betet für sie. Dabei richtet er nicht, sondern ermahnt sie zur Einheit. Christen sollen – wie er – einmütig für das Evangelium kämpfen. Demut, Empathie und Liebe bringen gegenseitigen Trost und Ermutigung und damit echten Zusammenhalt nach Gottes Willen. Selbstsucht und Ehrsucht hingegen zerstören die christliche Gemeinschaft.

Auch Paulus kämpft, indem er das Evangelium gegen die Irrlehrer der Gesetzlichkeit verteidigt. (3:2ff.) Wieder präsentiert er sich – zurecht – als Vorbild. (3:17) Was ihm vormals als Pharisäer Gewinn (Ehre!) war, ist ihm nach seiner Bekehrung zum Hindernis geworden, bei Christus zu sein. Christus selbst ist das gemeinsame Ziel, auf das sich die Gemeinde ganz ausrichten soll. Wieder betont Paulus, dass Selbstsucht und Ehrsucht dem Ziel entgegenstehen. (3:19)

Seine Ermahnungen sind von gegenseitiger Verbundenheit im Glauben geprägt. Paulus schreibt einer Gemeinde, die er innig und aufrichtig liebt. Dabei strahlt er Freude aus und wünscht sich diese Freude auch ihrerseits. Er will „Mitarbeiter zu ihrer Freude“ sein. (2 Kor 1:24) Eine Kurzanleitung zur Freude gibt Paulus zum Schluss seines Briefes (4:4-9):

  • Freundlicher Umgang mit den Menschen
  • Naherwartung des Herrn Jesus Christus
  • Abgeben aller Sorgen durch Gottvertrauen
  • Leben in Dankbarkeit gegenüber Gott
  • Positive Ausrichtung der Gedanken
  • Treue gegenüber dem Evangelium
  • Lebensführung nach dem Evangelium

Schließlich dankt Paulus der Gemeinde für die großzügigen Spenden, selbstbewusst vorbildlich auch bei diesem sensiblen Thema. Nicht geldgierig, sondern zufrieden in Gott und mit seinen Gedanken ganz bei dem, was er bis dahin alles gelehrt hat.

Wozu leben wir? Wie wichtig nehmen wir uns? Worüber freuen wir uns?

Der Philipperbrief ist eine Einladung, sein Leben auszurichten. Es führt zur Freude. Tatsächlich haben wir bis heute allen Grund, mit Paulus fröhlich zu sein. Das Evangelium wird verkündigt, der Weizen wächst, die Weltmission schreitet voran – bis Jesus Christus wiederkommt!

Der Brief an die Philipper | Quelle: Chronologisches Bibelstudium