Schlagwort-Archive: Homiletik

Wehe mir, wenn ich nicht predige!

Pastor-Hirte-Schafe

Ich werde bisweilen von jungen Männern gefragt: Soll ich Prediger werden? Abgesehen von einer Reihe anderer Momente, die in der Antwort bedacht werden müssen, geht es immer wieder grundlegend um die Frage der Berufung. Sie muss mit Recht gestellt werden, denn ohne das Bewusstsein, zum Verkünder des Evangeliums berufen zu sein, kann man nicht predigen.

Wie aber kann man nun einem jungen Mann helfen, den Ruf zum hauptamtlichen Dienst im Reiche Gottes zu erkennen? Es mag mehrere Zeichen dafür geben. Ganz gewiss aber gibt es in vielen Fällen das Merkmal, das ich das negative nennen möchte. Könnte ich auch anders? Diese Frage habe ich mir selbst oft in meinem Leben stellen müssen, auch bei Einzelentscheidungen und bei der grundlegenden Frage nach der Berufung zum ausgesonderten Boten Gottes.

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Anfechtung beim Dienst der Wortverkündigung

Predigt-Notizen

Es gibt keinen Glauben ohne Anfechtung. Nicht anders ist es im Leben des Dienstes für unsern Herrn Jesus Christus, und im besonderen im Dienst der Wortverkündigung. Paulus bekennt beim Abschied von den Ältesten von Ephesus: »Ich habe dem Herrn gedient in aller Demut, ja unter Tränen und Anfechtungen…« Das ereignet sich überall, wo der aufgetragene Dienst zugleich als eine persönliche Glaubensführung verstanden wird. Beim Boten Jesu dürfen der Dienst und das persönliche Glaubensverhältnis zu Gott nicht getrennt voneinander existieren. Wo immer dies doch der Fall ist, wird man sich ein großes Teil der Anfechtung ersparen – aber wohl zum eigenen Schaden.

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Sind Prediger eigentlich richtige Männer?

Sind Prediger eigentlich richtige Männer? Manche sprechen so übervorsichtig, fast entschuldigend. Sie wollen lieber für ewig verstummen, als jemanden zu verletzen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass jemand, der übervorsichtig redet, auch wirkungsvoll reden kann. Seine Ängstlichkeit wird sein Bemühen zunichte machen und es außer Kraft setzen. Andererseits ist es auch wahr, dass die Gemeinde Christi unter streitlustigen Männern zu leiden hatte, die lieber kämpfen statt beten wollten. Aber sie hat mehr unter schüchternen, ängstlichen Predigern gelitten, die es vorzogen, nett statt aufrichtig zu sein.

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Verkündigung oder psychologische Hilfe?

Eine Verkündigung, die es unterläßt, immer wieder auf den Himmel als die Hoffnung und das Ziel der Christen hinzuweisen, ist nicht nur schriftwidrig, sondern beraubt die Gläubigen eines der wichtigsten Gesichtspunkte, mit deren Hilfe sie mit den Lasten dieses Lebens fertigwerden können. Gegenwärtig liegt bei den Evangelikalen die populäre Psychologie voll im Trend. Man heiligt das profane Vokabular und wendet dann volkstümlich aufbereitete Selbstverwirklichungstheorien an.

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Lektion zur Predigtlehre

Der Thron des Predigers ist die Kanzel; er steht an Christi Stelle; seine Botschaft ist das Wort Gottes; er ist von unsterblichen Seelen umgeben; der Erlöser ist unsichtbar neben ihm; der Heilige Geist schwebt über der Versammlung; Engel schauen auf die Szene herab; und Himmel und Hölle warten auf den Ausgang.

Welch eine Gesellschaft und welch unermeßliche Verantwortung!

– Matthew Simpson, Lectures on Preaching

Sollen wir die Bibel verteidigen?

Bibel-Lesen

Ich meine, die Zeit sei vorüber, da man es für eine notwendige Aufgabe hielt, die Bibel zu verteidigen. Sie ist nun so oft verteidigt worden, daß alles Weitere dieser Richtung unnötig ist.

Es geht der Bibel jetzt wie einem Waldkirchlein, das ich einmal sah. Es war vielen Stürmen ausgesetzt, dazu war es auf nicht ganz zuverlässigem Boden erbaut. Darum hatten die guten Leute gemeint, sie von allen Seiten stützen zu müssen, und sie hatten dazu noch einmal so viele Steine verwandt, wie in die Kirche selbst hineingebaut worden waren. So scheint es mir, hat man zweimal soviel zur Verteidigung der Bibel getan als zu ihrer Auslegung. Somit können wir es jetzt wohl der Bibel überlassen, sich selbst zu verteidigen.

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Unsere Sprache in der Predigt

Predigt-KanzelMit Recht verlangt Kierkegaard vom Prediger, daß er so modern als möglich spreche: »Einzig dadurch, daß er die Sprache der Zeit spricht, kann es ihm glücken, Aufmerksamkeit zu wecken und sich seiner Zeit wirklich verständlich zu machen. Der Fromme, der mit den Menschen ins Gespräch kommen will, muß darum für den Anfang ganz so auftreten, als wäre er selbst einer von ihnen.« Kierkegaard ist also der Meinung gewesen, daß der Prediger so modern als möglich sein, daß er die Sprache seiner Zeit sprechen müsse, damit der lebendige Gott zum heute lebenden Menschen eindringlich und vernehmlich sprechen könne.

Auch H. Thielicke wendet sich in seiner Schrift über »Fragen des Christentums an die moderne Welt« gegen die unverständliche Theologensprache in der Verkündigung. Er kämpft dort mit vollem Recht gegen den weit verbreiteten heutigen »Theologen-Jargon«, das »Kirchen-Esperanto«, die »Kanzel- und Altarsprache, die außerhalb des Kirchenraumes wie Chinesisch wirkt«, die aber seiner Meinung nach auch im Kirchenraum den Hörer daran hindert, das verkündigte Gotteswort lebendig aufzunehmen und gewissensmäßig zu verstehen.

Wer diese Forderung einer modernen und zeitgemäßen Sprechweise im Gottesdienst aufstellt, der geht dabei von der Erkenntnis aus, daß zwischen der traditionellen Kirchensprache und Predigtsprache einerseits und der lebendigen Sprache der Gegenwart andererseits in vielen Fällen eine Kluft vorhanden ist. Man wird das nicht bestreiten können. Eine lebendige Sprache sprechen heißt aber nicht, daß sie modische Ausdrücke verwenden oder die Plattheiten der Gasse mitmachen oder moderne Sprachentartungen pflegen solle.

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Vom Reden – 7 Zitate

Rede-Redner

1. Rhetorik ist die Kunst, Unverständliches so feierlich vortragen zu können, dass jeder einzelne Zuhörer meint, der Nachbar verstehe alles, bloß er selber sei zu dumm, und damit dies die anderen nicht merken, tue er am besten so, als habe auch er alles verstanden.

2. Bekanntlich gibt es bei uns verschiedene Stufen von Reden. Die unterste Stufe ist dann erreicht, wenn der Redner sich selber versteht und die Zuhörer ihn, die gehobene Stufe dann, wenn der Redner sich versteht, aber die Zuhörer ihn nicht, die höhere, wenn der Redner sich selber nicht versteht und die Zuhörer ihn auch nicht verstehen, und die höchste, wenn der Redner zwar sich selber nicht versteht, aber die Zuhörer glauben, ihn verstanden zu haben. Ich gebe mich mit der untersten Stufe zufrieden.

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Bonhoeffers Ruf in die Nachfolge

„Es ist doch nicht nur die Schuld der anderen, wenn sie unsere Predigt, die ja gewiß ganz allein Christuspredigt sein will, hart und schwer finden, weil sie belastet ist mit Formeln und Begriffen, die ihnen fremd sind. Es ist doch nicht wahr, daß jedes Wort, das sich heute gegen unsere Predigt richtet, schon eine Absage an Christus, Antichristentum ist…

Wollen wir wirklich die Gemeinschaft mit denen verleugnen, deren es heute eine große Zahl gibt, die zu unserer Predigt kommen, sie hören wollen und doch immer wieder betrübt bekennen müssen, daß wir ihnen den Zugang zu Jesus zu schwer machen? Wir wollen von dem Ruf in die Nachfolge Jesu sprechen. Laden wir damit den Menschen ein neues, schwereres Joch auf? …

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